(Mitteldeutsche Zeitung)
Gemeinderat verschwindet spurlos
Am Neujahrsmorgen ist Harald Schrödter noch gesehen worden, seitdem fehlt von ihm jede Spur
VON MARKUS WAGNER, 04.01.09, 17:51h, aktualisiert 04.01.09, 19:16h

Harald Schrödter wird vermisst. (FOTO: PRIVAT)
MÜHLANGER/MZ. Der Mühlanger Gemeinderat Harald Schrödter (CDU) ist spurlos verschwunden. Seit dem Neujahrsmorgen fehlt von dem 57-Jährigen trotz intensiver Suche jede Spur.
"Es ist hart, positiv zu denken", sagte Mühlangers Bürgermeister Thomas Jaskowiak am Sonntag. Da war die Suche nach seinem zweiten Stellvertreter aufgrund der Witterung bereits eingestellt. "Es war ja schon am Freitag und am Sonnabend schwer etwas zu sehen", erklärt Jaskowiak. Der Schnee verwischt schließlich Spuren. Nun müsse man warten, bis es taut.
Am Freitagabend gegen 21 Uhr hatte die Suche nach Schrödter begonnen. Zuvor hatte gegen 14.20 Uhr eine "Person aus seinem Umfeld" Vermisstenanzeige gestellt, teilt die Pressesprecherin der Polizeidirektion Ost, Doreen Wendland, auf Anfrage mit. Gegen 17 Uhr hat Bürgermeister Jaskowiak davon erfahren. Er und der Leiter der Mühlanger Feuerwehr hatten entschieden, ohne Alarmierung eine freiwillige Suchaktion zu starten. "Ich habe höchsten Respekt vor den Männern", sagt Jaskowiak. Bis Mitternacht hätten sie und einige Polizisten nach Schrödter gesucht - mit Scheinwerfern auf den Elbwiesen.
"Ich habe Harald selbst noch in der Silvesternacht gesehen", sagt Wehrleiter Pötzsch. In Gäbelt's Gaststätte hatte man gemeinsam ins neue Jahr gefeiert. Gegen 3.10 Uhr wollte sich Schrödter offensichtlich auf den Heimweg machen. "Man hat noch beobachtet, wie er vergeblich an seinem Fahrradschloss herumhantiert hat", weiß Pötzsch. Danach war er verschwunden. Noch am Freitag stand das Fahrrad an der Gaststätte. Da waren Polizei und Bürgermeister über das Verschwinden Schrödter schon informiert.
Jaskowiak geht "wenn dann" von einem Unglücksfall aus. Weil sich der Naturliebhaber Schrödter bestens in der Gegend auskennt - "so gut wie kaum einer", wie Jaskowiak sagt - ist auch unklar, welchen Weg er nach Hause genommen haben könnte. Dass er tatsächlich nach Hause wollte, ist für Jaskowiak klar. "Dass er sich nicht meldet, ist nicht sein Stil." Er kenne Schrödter - der sich unter anderem auch gegen den Bau der Windkrafträder bei Zörnigall eingesetzt hatte - schließlich seit Jahren, Anzeichen für Probleme habe es keine gegeben. "Kurz vor Silvester haben wir uns über die Zukunft in Mühlanger unterhalten, da war alles total in Ordnung." Schrödter, der bei der Volkssolidarität beschäftigt ist, habe sich auch in seinem Beruf "immer voll reingehängt".
Also hat man am Wochenende den mutmaßlichen Unglücksort gesucht. Die dreistündige Suche mit rund 25 Mann am Freitag blieb erfolglos. Am Sonnabend wurden Feuerwehrmänner aus Euper, Abtsdorf und Gallin hinzugezogen und das Gebiet mit etwa 50 Mann abgesucht. "Großflächig", wie Wehrleiter Pötzsch erklärt. Zum Einsatz waren auch ein Polizeihubschrauber und Suchhunde gekommen. Um 16.30 Uhr wurde die Suche abgebrochen, von Harald Schrödter fehlt jede Spur.
Inzwischen hat die Polizei einen Fahndungsaufruf gestartet. In dem wird Schrödter so beschrieben: "Der Vermisste ist cirka 170 bis 175 Zentimeter groß, kräftig und untersetzt. Er trägt dunkelblonde, kurze, glatte Haare und ist Brillenträger." Als Schrödter am Neujahrsmorgen gegen 3 Uhr die Gaststätte verließ, trug er ein dunkelblaues Jackett, eine dunkle Hose und eine dunkle Mütze.
Hinweise zum möglichen Aufenthalt des Vermissten nimmt das Polizeirevier Wittenberg unter der Nummer 03491 / 469-291 oder an jede andere Polizeidienststelle entgegen. Hinweise können auch an die E-Mail: lfz.pd-ost@polizei.sachsen-anhalt.de gerichtet werden.
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